„Liebling, ich habe die Kinderschokolade geschrumpft!”

dickekinder

(unzensiert und so gar nicht fettreduziert)

Wenn ein Vater mit seinem 5-jährigen Sohn verstecken spielt, bis 10 zählt und dann meint: „Jonas, ich sehe dich hinter der Litfaßsäule“ haben wir meiner Meinung nach ein „dickes“ Problem in Deutschland. Doch wer ist schuld an dieser Misere? Die Eltern, die Medien, der liebe Gott? „Was wäre wohl passiert, wenn der liebe Gott nicht im Fastfood-Restaurant „Heaven’s Door“ gesessen und einen Schlangenburger mit doppelt Käse und extra viel Zwiebeln verspeist hätte, während sich Eva dem Baum näherte?“ Hätte, hätte, fettige DNA-Kette.
Auch die Werbung trägt einen erheblichen Teil dazu bei, dass sowohl Kinder als auch ihre Eltern zum Essen animiert bzw. gedrängt werden.
„Je kalorienhaltiger das Produkt ist, desto mehr funkelt die Verpackung.“
Das soll dem Verbraucher scheinbar das Gefühl geben, dass man nach dem Verzehr genau so schön und rundum zufrieden strahlt – eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man eine Karriere als Diskokugel anstrebt. Ich stelle mir gerade vor, dass ich auf eine Gartenparty von einem x-beliebigen Arbeitskollegen eingeladen bin und freue mich schon riesig auf das Buffet.
Angekommen auf der mit „Kinderfußgroßen-Kratern“ übersäten Grünfläche, erblicke ich den Gastgeber, ein paar weitere Kollegen und einige dicke Kinder. Kleine dicke Kinder, etwas größere dicke Kinder und dicke Kinder. Ich werde freudestrahlend begrüßt, natürlich stellen mir alle stolz ihre dicken Kinder vor. Was soll ich sagen?
„Du siehst aber „hüftgoldig aus“ oder wenn mir ein kleines Kind etwas vom Buffet bringt, „Wie mett von dir“ oder „Hey, hast du etwa Mami’s Medizinball versteckt?“
In diesem Moment stellt sich mir vielmehr die Frage, ob man dicke Kinder nicht einfach effektiv einsetzen kann, also eine Art „Kinderarbeit zu Hungerlöhnen.“ Wie wär’s als Boje bei einem Jetski-Rennen, als Bumper für Autoscooter auf einem Jahrmarkt, als laufender Sandsack, der zusätzlich die Beinarbeit des Boxers trainiert, als Schneemann-Aufbauhilfe, einfach vom Berg schubsen und schon steht der „weiße“ Korpus, als Hüpfburg für andere Kinder, als Gulli-Deckel, als „Wasserbettliegefläche-Dummy“, als Kandidaten für die neue Vorabendsendung „Germany’s next Michelin-Männchen“, als Seiten-Airbag für ein schlankes Kind oder als Stunt-Double für eine Schulklasse inklusive Vertrauenslehrer. Spaß beiseite und zurück zum Ernst der Lage. Wenn Eltern nicht rechtzeitig die Reißleine ziehen, kann dies fatale Folgen für die Entwicklung ihres Lieblings haben und aus dem putzigen, dicken Kind wird ein nerviger, gefräßiger Erwachsener, der am liebsten mit seiner „Wampe“ spazieren geht. Die Akzeptanz dieser „Bauchteigmasse“, die sich wie eine Samtdecke über den Gürtel legt, ist leider in Nullkommanichts vorhanden, da die stolzen Träger ungemein viele Vorteile in ihr sehen. Man kann mit ihr gemütlich auf der Couch vorm Fernseher kuscheln, mit ihr Shoppen (sie sagt sofort, ob es passt oder zwickt), mit ihr lachen, sie schwabbelt garantiert im Takt mit, eine Art „Wackelpudding-Lachsack“, sie füttern und füttern und füttern, sie als Nest an eine Seeadlerfamilie vermieten, sie als Tablett und „Krümmelauffangbecken“ benutzen, an Ostern die Eier und Schokolade in ihr verstecken und vor allem hört sie einem immer zu und gibt ihren „Senf mit fettiger Currywurst“ dazu.
Um es kurz zu machen, darf ich vorstellen: „Wampe, mein neuer Lebensmittel-Abschnittsgefährte.“ Ich finde dieses Thema wird noch zu oft auf die leichte Schulter genommen, obwohl immer mehr Kinder bei der Einschulung ihren „Schul-Ranzen“ lieber vorne tragen. Bitte versteht mich nicht falsch, dieses Statement soll kein Aufschrei sein oder Eltern dazu bewegen, sofort alles zu ändern (nur noch fettarme Muttermilch verabreichen, Selleriestangen im Snickers-Papier verstecken, die Spielekonsole über dem Laufband anbringen oder die Süssigkeiten in einem Hochsicherheitstrakt für „Machen-Schwer-Verbrecher“ zu verstecken) sondern nur dazu führen, dass der eine Vater oder die andere Mutter vielleicht eine Sekunde darüber nachdenkt, ob in diesem Text nicht doch ein Hauch oder sogar ein ganze Tonne Wahrheit steckt. Spätestens wenn ihr Kind vor ihnen steht und sie feststellen, dass sie die letzten Sätze wegen „akuter Dunkelheit“ nicht mehr lesen können. Spätestens dann…
Denn am Ende ist es meistens nur einer der lacht, wenn die Fettleibigkeit gesiegt hat und ein weiterer „dicker“ Mensch auf dem „Kentucky-Friedhof-Chicken“ liegt. Der Kerl in der schwarzen Kutte, der mal eben ganz heimlich seine Sichel gegen eine Zuckerstange ausgetauscht hat.