„Move like Jabba the Hutt“

DispoPogo

Morgens halb vier in Berlin. Ein Club irgendwo in Kreuzberg. Die Tanzfläche ist voll. Voll mit Vollen, voll von Hoffnung, voll von Leere, voll von One-Night, voll von bi, voll von nie, voll drauf…
Zwischen all den Vollen befinden sich immer ein paar, die scheinbar voll von sich überzeugt sind. Voller Tatendrang denken sie, sie seien der neue John Travolta, der wiedergeborene King of Pop, die Plastiktüte aus American Beauty, oder eine tanzende hawaiianische Hula-Plastikpuppe – doch leider sind sie nicht mehr als ein Wackelpudding im Kühlschrank, der durchs Öffnen der Türe in leichte Schwingungen gerät. Kann man diesen Menschen nicht vielleicht helfen und ihnen einen Dispo auf ihren Bewegungsapparat geben? Eine Art „Wie-bewege-ich-mich-richtig-Vorschuss“, den sie dann Schritt für Schritt zurückzahlen können?

Die Vorstellung, dass sich Kevin aus Reinickendorf in Channing Tatum und Chantal aus Hellersdorf in Jennifer Lopez verwandeln, ist irgendwie ganz nett. Doch reicht es wirklich aus, oder muss der Kredit weitere Vorteile wie z.B. „Hackfressen-Peeling“, „Es-regnet-heute-keine-Make-up-Brocken-Vorhersagen“ oder „Der-schiefe-Zahn-von-Pisa-ist-keine-Sehenswürdigkeit-Ratgeber“ beinhalten? Der erste Eindruck zählt natürlich, doch was bringt der Blick auf einen tanzenden Thor, wenn er sich beim Verlassen der Tanzfläche sofort in einen Vollpfosten verwandelt?

„Individualität und Respekt“, die beiden Worte schallen durch die Gassen dieser Stadt und sorgen dafür, dass selbst der Jurist mit Nadel und Nadelstreifen als Schwiegermamas-Liebling betitelt wird. Das macht Berlin so wunderbar. Auch für mich! Und genau deshalb stelle ich diese Frage und versuche Menschen zu helfen, denen es an Individualität und Respekt mangelt. Denn wenn sich die Gruppe derer reduziert, die sich auf der Tanzfläche wie die Darsteller des Cats-Musicals aufm Katzenklo bewegen, schaffe ich mehr Individualität und Respekt. Oder nicht?

Nehmen mir mal an, David (Deywid gesprochen – seine Eltern finden, er hat Ähnlichkeit mit David Copperfield) legt eine Performance hin, die selbst Herrn Llambi verzaubern und in Freudentränen ausbrechen lassen würde! Wie geil wäre das denn bitte? Alle Frauen würden ihm zu Füßen liegen (sowohl die nüchternen als auch die vollen). Oder Leandra (mit einem langgezogenen „A“ in der Mitte) bewegt sich so sexy zum Beat, dass selbst dem Barkeeper das Eis ausgeht! Man wüsste nicht, wo man zuerst hinschauen will. Hach, was wäre es für eine schöne Clubwelt…

Doch kommen wir noch mal kurz zu dem Punkt, an dem unsere potentiellen Traumtänzer aus dem Neonlicht ins Tageslicht schreiten… Erst steht ein 50-stöckiges Hochhaus mit eigenem Fitnesscenter (im 25. Stock), einer Dachterrasse, auf der noch alles blüht und einem Aufzug, in dem nur Sade läuft vor uns, und dann wird Schwarz zu Blau und aus dem „Hier-muss-ich-sofort-einziehen-Drang“ wird schnell eine „Was-ne-Bruchbude-Ernüchterung“. Ist das wirklich das, was wir wollen. Oder wäre spätestens hier der zweite Dispo „Einmal-alles-neu-bitte“ notwendig? Da ich selbst kein Fan von Krediten bin, und Banken ja die Wochenendhäuser des Teufels sind, komme ich zu der Erkenntnis, dass sich jeder bewegen soll, wie er will.

Getreu dem Motto: „Ich tanze, also bin ich.“