„Nur die warten kommen in den Garten“

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Ist die Warteschlange ein Nachfahre der „bösen“ Schlange aus der allerersten  Sitcom der Welt „How I met the mother schlechthin“ oder wurde sie gezielt gezüchtet? Warum ich diese Frage überhaupt stelle? Weil ich vor kurzem versucht habe mir einen Schuh (Sneaker, falls Minderjährige mitlesen sollten) online zu sichern und plötzlich sowie völlig unerwartet von der Warteschlange „gebissen“ wurde, bevor die glorreiche Nachricht kam: „Sorry du hoffnungsvoller Trottel, natürlich hat es nicht geklappt, wovon träumst du nachts, meinst du wirklich, dass du jemals eine Chance hattest, da hilft auch dein Winseln vorm Notebook nichts, du Opfer!“ In diesem Moment habe ich mir genau diese Frage gestellt. Wo hat die Warteschlange ihren Ursprung und müssen wir wirklich bis zum Urknall zurück, um ihre Geburt zu bestätigen? 

Fangen wir einfach mal ganz am Anfang an. Die „böse“ Schlange des christlichen Paradieses wird zum Symbol des Aufbegehrens gegen Gott, für Überheblichkeit und Ungehorsam, Stolz und Hochmut. Sie bringt Sünde und Tod in den Kreislauf der Welt und wird diesen auch als apokalyptischer Drache beschließen, der am Ende aller Tage erscheint und von Heeren der Engel endgültig niedergerungen wird. In der Zwischenzeit setzt sie als unversöhnlicher Widersacher Gottes ihr im Paradies begonnenes Verführungswerk ungehindert fort. In meinem Falle hat sie das mit ein paar Screenshots des Schuhmodells geschafft. Doch heißt das jetzt schon, dass sich die „böse“ Schlange und die Warteschlange um den gleichen Stammbaum schlängeln? „Luzifer, oh Luzifer, du Höllenfürst!“ – war das wirklich dein Verlangen, als du in den Garten geschlichen bist und dieses Schuppenkriechtier aus Neid über die Stellung der Menschen ausgesetzt hast? Für die Kirchgänger unter uns könnte ich den Text genau hier enden lassen. „Ave Air Mariah“. 

Doch was ist mit den Jüngern, die sich den schier endlosen Camp-Out-Strapazen hingeben und bei jedem Online-Release zu Gott beten…? Ist denen mit dieser Erkenntnis geholfen, oder wurde die Warteschlange doch von einer höheren Instanz der Gegenwart gezüchtet?Welche Vorteile hat sie eigentlich für Unternehmen? Sorgt sie dafür, dass Marken sich tiefer in unser Gedächtnis einbrennen, weil wir sie ganz oben auf unser „Hass-Flipchart“ schreiben? Oder soll sie in uns die Hoffnung wecken, dass es beim nächsten Mal bestimmt klappt? (die Erläuterung „Nächstes Mal“ ist für mich ganz klar ein Synonym für die „Penrose-Treppe“).

Kann uns Charles Darwin mit seiner Theorie helfen? Oder Ron Jeremy mit seiner Praxis? Beide sind auf jeden Fall irgendwie Schlangenexperten… Doch bevor ich jetzt durch die Zeit reise oder mich vor der Kamera ausziehe,versuche ich lieber selbst auf eine plausible Antwort zu kommen. Es gibt viele Arten von Warteschlangen:

– die bissigen an der Supermarktkasse („6,17 mit Cent-Stücken zahlen – und sich bei 6,14 verzählen!“)

– die jammernden vorm Notebook („Heute gibt es leider keine Off-White-“Rose“ für dich!“) 

– die pöbelnden vorm Stadion („Pro kommt von Promille!“)

– die mit den leuchtenden Augen vorm Club („Hör auf mich, glaube mir, Augen zu, vertraue mir!“)

– die kreischenden vor der Autogrammstunde („Justin, ich will ein Kind von dir. Auch wenn ich selbst noch eins bin!“) 

– die randalierenden im Elektromarkt („Heute 60 Zoll Smart TV in 4K zum Sonderpreis, um bei Frauentausch auch wirklich alle Zahnlücken zählen zu können!“)

– die anschmiegsamen in jedem Wartezimmer („Äskulap Deluxe!“)

Ganz egal, wo sie herkommen, ob Adam und Eva oder Aldi und Edeka sie erfunden haben – es muss sie scheinbar geben, damit wir in dieser schnelllebigen Zeit nicht die Ruhe vor dem Shitstorm vergessen…

P.S. Abschließend muss ich meine Trauer über das nichtbekommene Paar Sneaker doch noch „kurz“ loswerden und als treuer Kunde und Fan sagen: „Lieber Swoosh, dein Anblick ist oft göttlich, doch deine Anwenderfreundlichkeit ist in vielen Fällen so unfassbar hässlich, dass man dir noch nicht mal einen Blick schenken möchte.“