„Spidey, Spidey, wo ist mein Netz?“

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Guten Morgen Berlin, ein neuer Tag beginnt. Bevor es raus auf die Straße gehen sollte, um neue Heldentaten zu vollbringen, wollte ich mir schnell noch einen Kaffee machen und meine Mails checken. Während meine Kaffeemaschine loslegte und aus der hilflosen Kapsel jeglichen Koffeinextrakt herauspresste, startete ich meinen Rechner.
Das übliche „Ich-fahr-dann-mal-hoch“-Symphonie-Orchester erklang.
Freudestrahlend dachte ich mir „Hallo Schreibtisch, hallo Fuchs, hallo Welt,auf, auf in die Weiten des Netz-Universums.“ „Hallo?“ Ich fühlte mich genau für eine Sekunde wie Spiderman, bereit mich mit wenigen Klicks durch die Newsseiten über die Fashionblogs direkt zu meinem Mailaccount zu schwingen.
Doch vergeblich.
Das Netz riss scheinbar schon vor dem ersten Schwung. Ich stand wie ein kleiner Junge vor dieser riesig wirkenden weißen Bildschirmwand, die mir mit dem Satz: „Es besteht keine Verbindung zum Internet“ aber so was von frontal in mein eingefrorenes Lächeln schlug. Ich startete meinen Rechner neu, danach mein Modem, wieder den Rechner und dann auch noch mal zur Sicherheit meinen Verstand. Doch es tat sich nichts. Gar nichts.
Immer wieder erschien der gleiche Schriftzug, immer wieder hatte ich das gleiche Gefühl „Und täglich grüßt das Mactier“.
Ich schnappte mir mein Smartphone und wählte die Servicenummer meines Vertrauens. Nach einer kurzen Wartezeit von nicht einmal 10 Minuten und 32 Sekunden begrüßte mich eine Frauenstimme „heiter bis leicht wolkig“ und fragte nach meinem Anliegen.
Ich kam gerade noch zu den vier Worten „Mein Internet geht nicht…“ bevor sie wie eine Schlechtwetterfront über mich herfiel und einen „Hassblitz“ nach dem anderen aus ihrem „Wolkenkuckucksland“ auf mich herab schoss.
„Sie haben Ihre Rechnung zu spät bezahlt, die Mahngebühr nicht beachtet, dadurch eine Bearbeitungsgebühr und eine „Wir-finden-bestimmt-noch-eine-Bezeichnung-dafür-Gebühr“ verursacht und sowieso scheinbar alles falsch gemacht – mit meinem Verhalten ihren Auftraggeber, einen bekannten „Imperialen-Internetprovider-Sternenzerstörer“ fast zu Fall gebracht.
Kleinlaut, trotz 195 cm, versuchte ich jegliche Schuld von mir zu weisen – keine Chance. Mein Überweisungsnachweis über die gezahlte Rechnungssumme interessierte sie recht wenig. Zudem hat sie scheinbar sekundenschnell ihre verschossenen „Wortraketen“ aufgeladen und entgegnete mir mit einem Trommelfeuer, das wirklich jede Stelle in meinem Trommelfell zum Vibrieren brachte.
„Sie schulden uns 38,92 Euro, bevor Sie diese Summe nicht bezahlt haben, bleiben Sie offline. „Oder anders gesagt, bekomme ich meine „Superkräfte“ nicht zurück.“
(Es fühlte sich an, als hätte sich mein Smartphone genau in diesem Moment in einen Klumpen Kryptonit verwandelt.)
„38,92 Euro? Wie bitte! Meine monatliche Rechnungsgebühr beträgt 24,95 Euro, wie zur Hölle kommen Sie bitte auf 38,92 Euro?“
Erneut fing die Frau in bester „Wer-wird-Wiederholungsmillionär-Manier“ an aufzuzählen, was ich scheinbar alles falsch gemacht habe.
„Rechnung, Mahngebühr, Bearbeitungsgebühr, Gebühr hier, Gebühr da…“
Ein zweiter Versuch meinerseits, ihr diesmal mit meiner charismatischen
„Bruce-Wayne-Stimmimitation“ ins Gewissen zu reden, scheiterte kläglich.
Diesmal fügte sie sogar die höfliche Info „Ich diskutiere nicht mit Ihnen!“ hinzu.
In diesem Moment stellte ich mir vor, wie sie mit ihrem „Joker-Grinsen“ in einem kleinen, fensterlosen Büro sitzt und den nächsten Kreidestrich an die Wand macht, während draussen eine weitere Motte ins blaue Licht des halbzerstörten Leuchtreklameschilds „…can do.“ fliegt und gebrutzelt wird. Ich überlegte kurz, ob ich einen letzten „Aller-guten-Dinge-sind-drei-Versuch“ startete.
Diesmal als wütender Hulk. Doch selbst mit viel zu viel Testosteron würde ich hier wahrscheinlich keinen einzigen Stein bewegen können. Ich ließ meine Klamotten heil und entgegnete ihr mit der Gelassenheit und dem Wortwitz eines Tony Stark und meinte nur „iron“isch: „Heldenhafte Leistung, muss ich sagen!“ und legte auf.
Ich für meinen Teil bin mir jetzt sicher: „Selbst als Superheld kann man die Menschen vor ihrer eigenen Unfähigkeit nicht bewahren.“